Wer regelmäßig Kopfschmerzen hat, möchte wissen, ob eine Migräne dahintersteckt. Die Antwort bestimmt die Behandlung: Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die in Deutschland viele Menschen betrifft, und sie spricht auf andere Medikamente an als Spannungskopfschmerz.
Die Unterscheidung gelingt anhand von Schmerzort, Schmerzqualität, Begleitsymptomen und Dauer. Die sichere Diagnose stellt eine Ärztin oder ein Arzt; wer die Merkmale kennt, kann die Beschwerden im Gespräch gezielt schildern.
So erkennen Sie eine Migräne
Migräneattacken dauern bei Erwachsenen unbehandelt meist vier Stunden bis drei Tage. Der Schmerz sitzt meist einseitig, pulsiert und ist mittel bis stark. Alltägliche körperliche Aktivität wie Treppensteigen verstärkt ihn. Typisch sind Begleitsymptome: Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit und Geräuschempfindlichkeit.
Eine Migräneattacke verläuft bei vielen Betroffenen in mehreren Phasen. In der Vorbotenphase, die Stunden bis Tage vor dem Schmerz beginnt, melden sich Müdigkeit, Nackenschmerzen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Konzentrationsstörungen oder Schwindel. Bei manchen Betroffenen folgt eine Aura: vorübergehende Sehstörungen wie Flimmern oder Zacken, Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Sprachstörungen. Eine Aura entwickelt sich meist allmählich. Einzelne typische Aurasymptome dauern häufig fünf bis 60 Minuten; mehrere Symptome können nacheinander auftreten. Neu auftretende oder ungewöhnliche neurologische Beschwerden sollten Sie nicht selbst als Migräne einordnen. In der Nachphase, die unterschiedlich lange dauern kann, bleiben oft Erschöpfung, Gereiztheit und Konzentrationsschwäche.
So fühlt sich Spannungskopfschmerz an
Der häufigste Vergleichsfall ist der Spannungskopfschmerz. Der Schmerz sitzt beidseitig, drückt oder zieht und ist leicht bis mittelstark. Eine Attacke dauert 30 Minuten bis mehrere Tage. Körperliche Aktivität verstärkt ihn nicht. Übelkeit oder Erbrechen gehören nicht dazu; starke Übelkeit weist auf eine Migräne hin.
So erkennen Sie Clusterkopfschmerz
Eine deutlich andere Form ist der Clusterkopfschmerz. Der Schmerz sitzt einseitig, meist um das Auge, ist sehr stark und dauert 15 bis 180 Minuten. In einer aktiven Phase treten die Attacken gehäuft auf, bis zu acht pro Tag, danach folgen beschwerdefreie Pausen. Typisch sind Begleiterscheinungen auf derselben Gesichtshälfte: Das Auge rötet sich oder tränt, die Nase ist verstopft, das Augenlid schwillt an oder hängt herab, die betroffene Gesichtshälfte schwitzt.
Wenn sich die Formen mischen
Die Formen schließen sich nicht immer gegenseitig aus. Migräne und Spannungskopfschmerz können gemeinsam auftreten; eine leichte Migräne ähnelt dann einem Spannungskopfschmerz. Begleitsymptome und der zeitliche Verlauf helfen bei der Einordnung. Ob ein Medikament hilft, ist allein kein verlässlicher Test für eine Selbstdiagnose. Triptane, die speziell gegen Migräne entwickelten Medikamente, wirken bei Migräne, aber nicht bei Spannungskopfschmerz.
Wer an zehn oder mehr Tagen im Monat Schmerzmittel oder Migränemittel einnimmt, riskiert, dass die Kopfschmerzen häufiger werden. Ärztinnen und Ärzte bezeichnen das als Medikamentenübergebrauch.
Wann Sie ärztliche Hilfe suchen
Eine wiederkehrende oder ungewöhnliche Kopfschmerzform gehört in ärztliche Abklärung. Die meisten Kopfschmerzformen lassen sich in der Hausarztpraxis mit einer gezielten Befragung zuverlässig einordnen, sofern keine andere Erkrankung dahintersteckt. Warnzeichen weisen auf solche ernsten Ursachen hin; eine Selbstdiagnose ersetzt diese Abklärung nicht.
Für das Arztgespräch hilft es, die eigenen Beobachtungen genau zu beschreiben: Wo sitzt der Schmerz, wie fühlt er sich an, wie lange dauert er, was begleitet ihn? Halten Sie auch fest, an wie vielen Tagen im Monat Kopfschmerzen auftreten; für eine chronische Migräne sind mindestens 15 Kopfschmerztage pro Monat über mehr als drei Monate maßgeblich, davon mindestens acht Tage mit Migränemerkmalen. Weitere Diagnosekriterien müssen ärztlich geprüft werden. Fragen Sie, wie oft Sie Schmerzmittel einnehmen dürfen, ohne dass sie die Kopfschmerzen verstärken, und welche Behandlung zu Ihrer Kopfschmerzform passt. Die AWMF-Leitlinie zur Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne beschreibt, welche Medikamente gegen die akute Attacke und zur Vorbeugung empfohlen werden.
Bei schlagartig einsetzenden, ungewöhnlich starken Kopfschmerzen oder neuen Lähmungs- und Sprachstörungen rufen Sie die 112. Auch Kopfschmerzen mit Fieber und Nackensteifigkeit müssen sofort medizinisch abgeklärt werden. Bei dringenden, nicht lebensbedrohlichen Beschwerden außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
Quellen
- migraeneliga.de · viele Menschen
- wkz.uk-essen.de · andere Medikamente
- gesund.bund.de · vier Stunden bis drei Tage
- gpnotebook.com · meist einseitig, pulsiert und ist mittel bis stark
- link.springer.com · Vorbotenphase
- ichd-3.org · Einzelne typische Aurasymptome dauern häufig fünf bis 60 Minuten
- schmerzklinik.de · Erschöpfung, Gereiztheit und Konzentrationsschwäche
- springermedizin.de · gezielten Befragung zuverlässig einordnen
- ichd-3.org · chronische Migräne
- awmf.org · AWMF-Leitlinie
- gesund.bund.de · 112



