Asthma bronchiale ist eine chronische Lungenkrankheit: Die unteren Atemwege sind dauerhaft entzündet und reagieren überempfindlich auf Reize. Typisch sind Husten, Engegefühl in der Brust und pfeifende Atemgeräusche, die anfallsartig auftreten und zwischen den Anfällen weitgehend zurückgehen. In Deutschland leben rund 3,5 Millionen Menschen mit Asthma. Heilbar ist die Erkrankung nicht. Mit modernen Medikamenten ist sie aber meist gut behandelbar; viele Betroffene leben weitgehend beschwerdefrei (Lungeninformationsdienst).

Asthma zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern; bei den meisten Betroffenen zeigen sich erste Symptome vor dem fünften Lebensjahr. Wer wiederholt unter Husten, Engegefühl oder pfeifender Atmung leidet, sollte die Beschwerden ärztlich abklären lassen. Wer die Erkrankung versteht, kann Behandlungsentscheidungen besser mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen: wie die Diagnose gesichert wird, wie die medikamentöse Behandlung aufgebaut ist und was im Alltag hilft.

Was bei Asthma in der Lunge passiert

Bei Asthma sind die Bronchien, die feinen Verzweigungen der Atemwege, chronisch entzündet. Diese Entzündung macht die Schleimhaut überempfindlich. Fachleute nennen diese Überempfindlichkeit bronchiale Hyperreagibilität: Schon kleine Reize lassen die Muskulatur der Bronchien verkrampfen, die Schleimhaut schwillt an und es bildet sich zäher Schleim. Die Atemwege werden eng, die Luft entweicht vor allem beim Ausatmen nur schwer.

Die Beschwerden treten anfallsartig auf und bilden sich zwischen den Anfällen wieder zurück. Bei den meisten Betroffenen spielen Allergien eine Rolle: Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Schimmel oder bestimmte Medikamente können Beschwerden auslösen. Auch Infekte, kalte Luft, körperliche Anstrengung oder starke Gerüche führen zu akuten Symptomen, weil die Bronchien überempfindlich sind (Lungeninformationsdienst).

Wie die Diagnose gesichert wird

Asthma lässt sich nicht allein an den Symptomen erkennen. Ärztinnen und Ärzte stützen die Diagnose auf die Krankengeschichte, Lungenfunktionsprüfungen, Tests der Atemwegsempfindlichkeit und Biomarker. Biomarker sind messbare Werte, die auf die Entzündung hinweisen, etwa das ausgeatmete Stickstoffmonoxid (FeNO), IgE-Antikörper und bestimmte weiße Blutkörperchen, die eosinophilen Granulozyten.

Die 2023 veröffentlichte fachärztliche S2k-Leitlinie, also die von den Fachgesellschaften im Konsens verabschiedete Leitlinie, erleichtert die Diagnose: Bei Erwachsenen mit typischen Symptomen, bei denen sich die Atemwegsverengung durch Medikamente nur wenig zurückbildet, reichen ein FeNO-Wert von mindestens 25 ppb und ein Ansprechen der Beschwerden auf inhalative Kortikosteroide aus (Gelbe Liste zur Asthma-Leitlinie 2023). Die Abklärung gehört in ärztliche Hände; eine Selbstdiagnose anhand von Symptomen ist nicht möglich.

Die Behandlung folgt einem Stufenschema

Die medikamentöse Behandlung richtet sich nach der Schwere der Erkrankung und wird in Stufen gesteigert. Bei Erwachsenen gibt es fünf Therapiestufen, bei Kindern und Jugendlichen sechs (Asthma-Stufentherapie). Auf jeder Stufe gilt dasselbe Grundprinzip: Bedarfsmedikamente lindern akute Beschwerden, Langzeitmedikamente bekämpfen die Entzündung und beugen Anfällen vor. Welche Stufe für Sie passt, legen Sie gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt fest; die Therapie wird regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst.

Die Basis der Langzeittherapie bilden inhalative Kortikosteroide (ICS), also entzündungshemmende Sprays. Sie brauchen zwei bis vier Wochen regelmäßiger Anwendung, bis sie ihre volle Wirkung entfalten. Langwirksame Beta-2-Sympathomimetika (LABA) erweitern die Bronchien, wirken aber nicht entzündungshemmend. Deshalb werden sie nie allein eingesetzt, sondern immer zusammen mit einem ICS. Eine alleinige Gabe würde die Symptome nur überdecken und ist mit einem erhöhten Risiko verbunden (Asthma-Stufentherapie).

In Stufe 5, bei schwerem Asthma, kommen je nach Entzündungsmuster Biologika hinzu. Das sind Antikörper, die gezielt in die Entzündungsreaktion eingreifen. Omalizumab ist eine Option bei schwerem allergischem Asthma, Tezepelumab bei unzureichender Kontrolle trotz hochdosierter ICS und eines weiteren Medikaments (Asthma-Stufentherapie).

Bedarfs- und Langzeitmedikamente richtig einsetzen

Die medikamentöse Therapie unterscheidet zwei Gruppen von Mitteln. Bedarfsmedikamente, auch Reliever genannt, erweitern die Bronchien schnell und sind für akute Beschwerden und Notfälle gedacht. Langzeitmedikamente, die Controller, wirken entzündungshemmend und werden täglich angewendet, auch wenn gerade keine Beschwerden bestehen. Inhalatives Cortison ist das wirksamste und wichtigste Langzeitmedikament; es verringert bei regelmäßiger Anwendung die Schleimhautentzündung und senkt den Bedarf an Notfallmedikamenten (Asthma-Medikamente).

Wer häufig zum Bedarfsspray greift, sollte das ernst nehmen: Eine zu häufige Anwendung führt zu Nebenwirkungen wie Zittern und Herzrasen und zeigt an, dass das Asthma nicht richtig kontrolliert ist (Asthma-Medikamente). Dann sollte die Langzeittherapie überprüft werden, statt das Bedarfsspray zu erhöhen.

Eine begonnene Langzeittherapie mit Kortikosteroiden sollte niemand eigenmächtig beenden. Ein eigenmächtiges Absetzen gilt als gefährlich. Wer das Medikament absetzen oder wechseln möchte, bespricht das vorher mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt. Das gilt besonders bei Schwangerschaft, bei Kindern und bei jedem Therapiewechsel: Diese Entscheidungen gehören ins ärztliche Gespräch.

So inhalieren Sie richtig

Die beste Medikation nützt nur, wenn sie in der Lunge ankommt. Bei Pulverinhalatoren hängt das von der Technik ab: Vor der Inhalation vollständig ausatmen, das Mundstück in den Mund nehmen, kräftig und tief einatmen und die Luft danach fünf bis zehn Sekunden anhalten. Anschließend den Mund ausspülen und das Gerät regelmäßig reinigen (Pulverinhalator: So inhalieren Sie richtig).

Wer unsicher ist, lässt sich die Handhabung in der Praxis oder Apotheke zeigen. Auch wer sein Spray schon lange benutzt, sollte die Technik gelegentlich kontrollieren lassen, denn kleine Fehler schleichen sich ein.

Was bei einem Asthmaanfall zählt

Ein Asthmaanfall ist eine plötzliche, starke Verengung der Atemwege. Dann wirkt das Bedarfsspray am schnellsten: Es erweitert die Bronchien und kann den Anfall abfangen (ptaheute zu Notfallsprays). Wer einen Anfall erlebt, wendet sein Notfallmedikament nach dem Plan an, den die Ärztin oder der Arzt mit ihm besprochen hat.

Bessern sich die Beschwerden nicht oder wird die Atmung schlechter, ist das ein Notfall: Dann wählen Sie den Notruf. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden den ärztlichen Bereitschaftsdienst.

Antibiotika gehören bei einem Asthmaanfall bei Erwachsenen nicht zur Standardbehandlung, solange keine bakterielle Infektion nachgewiesen ist. Die Leitlinie empfiehlt das ausdrücklich (Asthmaanfall bei Erwachsenen).

Was die neue Leitlinie ändert

Im August 2024 ist die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Asthma in der Version 5 erschienen; sie gilt bis August 2029 und fasst den aktuellen Stand der Behandlung zusammen (NVL Asthma Version 5). Sie enthält unter anderem neue Empfehlungen zur Sauerstoffgabe bei einem Asthmaanfall und zu komplementären und alternativen Therapieverfahren.

Die fachärztliche S2k-Leitlinie von 2023 nennt als eine der ersten Leitlinien weltweit die Asthma-Remission als langfristiges Behandlungsziel. Remission bedeutet vereinfacht, dass die Erkrankung über lange Zeit keine nennenswerten Beschwerden mehr verursacht. Kurzfristig bleibt die Asthmakontrolle das Ziel. Bei allergischem Asthma empfiehlt die Leitlinie in allen Therapiestufen eine Allergenimmuntherapie, wenn ein Zusammenhang zwischen Beschwerden und Allergen belegt ist und keine Gegenanzeigen wie unkontrolliertes Asthma bestehen (Gelbe Liste zur Asthma-Leitlinie 2023).

Sport und Alltag mit Asthma

Regelmäßiges Ausdauertraining verringert in der Regel die Beschwerden, weil es die Gesundheit der Lunge verbessert. Geeignet sind Sportarten mit kurzen intensiven Belastungen oder langer, geringer Belastung, etwa Schwimmen, Gehen, Wandern und Radfahren (Besser in Form kommen mit Asthma).

Bei schlecht kontrolliertem Asthma belasten Sportarten mit langer Dauerbelastung wie Basketball, Fußball oder Marathonlauf die Lunge; auch Sport in kalter Luft wie Skilanglauf oder Hockey ist dann ungünstig. Wer sein Asthma gut eingestellt hat, muss auf Bewegung nicht verzichten.

Zur Selbstkontrolle eignet sich die tägliche Messung mit einem Peakflow-Meter. Das kleine Gerät misst, wie schnell Sie ausatmen können; ein Abfall des Werts kann auf eine bevorstehende Verschlechterung hinweisen (Leben mit Asthma). Asthma-Schulungen, Lungensport-Kurse und Selbsthilfegruppen unterstützen dabei, den Umgang mit der Erkrankung zu lernen und die Lungenfunktion zu verbessern.

Quellen

  1. lungeninformationsdienst.de · Lungeninformationsdienst
  2. gelbe-liste.de · Gelbe Liste zur Asthma-Leitlinie 2023
  3. flexikon.doccheck.com · Asthma-Stufentherapie
  4. google.com · Asthma-Medikamente
  5. google.com · Pulverinhalator: So inhalieren Sie richtig
  6. ptaheute.de · ptaheute zu Notfallsprays
  7. google.com · Asthmaanfall bei Erwachsenen
  8. google.com · NVL Asthma Version 5
  9. google.com · Besser in Form kommen mit Asthma
  10. asthma.de · Leben mit Asthma

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