Bluthochdruck ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland: Etwa jeder fünfte weiß nichts von seiner Erkrankung. Die Erkrankung verursacht meist keine Beschwerden und wird oft zufällig entdeckt.
Eine einzelne erhöhte Messung reicht für die Diagnose nicht; erst wiederholte Messungen an verschiedenen Tagen sichern den Befund. Die Behandlung stützt sich auf Veränderungen im Alltag und, wenn nötig, dauerhaft einzunehmende Medikamente.
Was Bluthochdruck ist
Der Blutdruck gibt an, mit welchem Druck das Blut durch die Schlagadern strömt. Gemessen werden zwei Werte: der systolische Wert, wenn das Herz sich zusammenzieht und Blut in den Kreislauf pumpt, und der diastolische Wert, wenn sich das Herz zwischen zwei Schlägen entspannt. In der Angabe 140/90 mmHg steht der systolische Wert vor dem diastolischen.
Eine Hypertonie liegt bei wiederholt gemessenen Praxiswerten ab 140 mmHg systolisch oder 90 mmHg diastolisch vor. Ein einzelner erhöhter Wert reicht für die Diagnose meist nicht aus. Die Werte müssen unter passenden Messbedingungen bestätigt werden. Für den Mittelwert von Messungen zu Hause gilt eine Grenze von 135/85 mmHg, für den 24-Stunden-Mittelwert einer Langzeitmessung 130/80 mmHg. Die Praxisgrenze lässt sich deshalb nicht auf alle Messverfahren übertragen.
Bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen gibt es keine einzelne auslösende Ursache; Ärzte nennen das primären Bluthochdruck. Nur bei wenigen Prozent steckt eine andere Erkrankung dahinter, etwa der Nieren oder der Hormondrüsen; das ist der sekundäre Bluthochdruck.
So erkennen Sie Bluthochdruck
Die meisten Menschen mit Bluthochdruck spüren nichts davon. Treten Beschwerden auf, sind sie untypisch: Schwindel, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Nervosität, Ohrgeräusche, Müdigkeit, Nasenbluten, Atemnot oder Übelkeit kommen auch bei vielen anderen Erkrankungen vor und reichen für sich allein nicht für eine Diagnose. Wer solche Zeichen bei sich bemerkt, sollte sie ärztlich abklären lassen. Wer keine Beschwerden hat, sollte den Blutdruck dennoch regelmäßig messen lassen; das Deutsche Herzzentrum der Charité empfiehlt die Messung bei jedem Arztkontakt.
Die Diagnose braucht mehrere Messungen
Der Blutdruck schwankt im Tagesverlauf und je nach Situation. Deshalb reicht eine einzelne erhöhte Messung nicht aus. Um die Diagnose zu sichern, messen Ärztinnen und Ärzte an verschiedenen Tagen und Zeiten erneut. Zusätzlich gibt es die Messung zu Hause oder eine 24-Stunden-Langzeitmessung, bei der ein Gerät den Blutdruck über einen ganzen Tag hinweg regelmäßig aufzeichnet.
Die Langzeitmessung deckt zwei Phänomene auf, die einzelne Messungen verbergen. Bei der Weißkittel-Hypertonie ist der Blutdruck in der Arztpraxis erhöht, im Alltag aber normal; die Aufregung beim Messen treibt den Wert nach oben. Bei der maskierten Hypertonie ist es umgekehrt: In der Praxis zeigt sich ein normaler Wert, im Alltag ein erhöhter. Beide Muster lassen sich mit Messungen zu Hause oder über 24 Stunden erkennen. Werden sie übersehen, droht im einen Fall eine unnötige Behandlung, im anderen eine unterlassene.
Richtig zu Hause messen
Wer zu Hause misst, sollte auf die Technik achten, sonst sind die Werte nicht brauchbar. Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt: vor der Messung fünf Minuten ruhig sitzen, nicht sprechen, den Arm entspannt auflegen und die Manschette auf Herzhöhe anbringen, etwa zwei Fingerbreit über der Ellenbeuge. Die Manschette muss zur Armgröße passen; eine zu kleine oder zu große Manschette verfälscht das Ergebnis.
Es ist sinnvoll, die Werte zu dokumentieren, zum Beispiel an einer Woche im Monat zweimal täglich. Die Hochdruckliga rät, nur Geräte mit Prüfsiegel zu verwenden und auf Messgeräte ohne Manschette, etwa Smartwatches, zu verzichten, weil deren Genauigkeit nicht ausreichend belegt ist.
Was die Werte bedeuten
Die Grenzwerte hängen von der Messmethode ab. In der Arztpraxis gilt ein Wert ab 140/90 mmHg als Bluthochdruck. Zu Hause liegt die Grenze tiefer, weil die Messung unter ruhigeren Bedingungen stattfindet: ab 135/85 mmHg gilt der Wert dort als erhöht. Bei der 24-Stunden-Langzeitmessung, dem genauesten Verfahren, gilt ein Mittelwert über den ganzen Tag ab 130/80 mmHg, tagsüber ab 135/85 mmHg und nachts ab 120/70 mmHg.
Die europäische Leitlinie von 2024 betrachtet Werte unterhalb der bisherigen Hypertonie-Grenze bereits als erhöhten Blutdruck. Ob daraus eine Behandlung folgt, hängt vom persönlichen Herz-Kreislauf-Risiko ab: Wer zusätzliche Risikofaktoren oder eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat, soll früher behandelt werden. Die neue Einordnung ersetzt die bisherige Definition nicht; sie bedeutet, dass bei hohem Risiko früher gehandelt wird.
Bei sehr hohen Werten über 180 mmHg systolisch oder 110 mmHg diastolisch sollten Sie auch ohne Beschwerden umgehend ärztlichen Rat einholen. Kommen dazu Beschwerden wie starke Kopfschmerzen, Brustschmerzen, Atemnot, Sehstörungen oder Lähmungserscheinungen, ist das ein Notfall: Rufen Sie die 112. Bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
Behandlung beginnt im Alltag
Bei jedem Bluthochdruck beginnt die Behandlung mit Veränderungen im Alltag. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie empfiehlt in ihrer Leitlinie von 2024 Ausdauersport, Krafttraining, mehr Kalium über die Nahrung und weniger Zucker. Im Alltag heißt das: regelmäßig Bewegung, mehr Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte, weniger gesüßte Getränke und Süßigkeiten.
Ob diese Umstellung allein ausreicht oder Medikamente dazukommen, hängt von der Höhe der Werte und dem persönlichen Risiko ab. Die Ärztin oder der Arzt entscheidet das anhand der Werte, weiterer Risikofaktoren und erneuter Messungen.
Medikamente senken den Druck
Wenn Lebensstiländerungen nicht ausreichen oder das persönliche Risiko eine medikamentöse Behandlung erfordert, wählen Ärztin oder Arzt passende Wirkstoffe aus. Die ESC-Leitlinie von 2024 empfiehlt für die meisten Menschen mit Hypertonie zunächst zwei Wirkstoffe in niedriger Dosierung, möglichst in einer Tablette. Eine Erweiterung der Behandlung kommt infrage, wenn die Werte damit nicht ausreichend sinken. Welche Kombination geeignet ist, hängt auch von Begleiterkrankungen ab.
Bleibt der Erfolg aus, prüfen Ärztinnen und Ärzte vor einer Erweiterung der Behandlung unter anderem, ob die Medikamente wie vereinbart eingenommen werden und ob andere Arzneimittel den Blutdruck erhöhen. Sprechen Sie Schwierigkeiten bei der Einnahme oder Nebenwirkungen offen an. Setzen Sie Medikamente nicht eigenmächtig ab und verändern Sie die Dosierung nicht ohne Rücksprache.
Welche Zielwerte gelten
Behandlungsziele unterscheiden sich von den Grenzen, ab denen Bluthochdruck diagnostiziert wird. Die deutsche NVL Hypertonie von 2023 nennt einen Praxiswert unter 140/90 mmHg als Orientierung und betont individuell vereinbarte Ziele. Je nach körperlichem Zustand, Begleiterkrankungen und Belastung durch die Behandlung können auch höhere oder niedrigere Werte angemessen sein. Die ESC-Leitlinie von 2024 strebt bei guter Verträglichkeit meist niedrigere Werte an, systolisch 120 bis 129 mmHg. Alter, Gebrechlichkeit und Nebenwirkungen können andere Ziele erfordern. Vereinbaren Sie Ihren persönlichen Zielwert mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Welcher Zielwert im Einzelfall sinnvoll ist, legt die Ärztin oder der Arzt fest. Er berücksichtigt Alter, Begleiterkrankungen und die Verträglichkeit der Behandlung.
Fragen für das Arztgespräch
Ein gutes Arztgespräch beginnt mit gezielten Fragen. Diese Fragen helfen, die Behandlung zu verstehen und mitzutragen:
- Welcher Zielwert gilt für mich persönlich, und wie oft soll ich zu Hause messen?
- Welche Lebensstiländerung bringt bei mir den größten Effekt?
- Welche Medikamente bekomme ich, wie wirken sie, und woran erkenne ich Nebenwirkungen?
- Was soll ich tun, wenn die Werte trotz Medikamenten hoch bleiben?
- Muss ich die Medikamente dauerhaft einnehmen, auch wenn ich mich wohl fühle?
Quellen
- dhzc.charite.de · Etwa jeder fünfte weiß nichts von seiner Erkrankung
- tk.de · meist keine Beschwerden
- leitlinien.de · 140 mmHg systolisch oder 90 mmHg diastolisch
- hochdruckliga.de · Deutsche Hochdruckliga
- beurer.com · 140/90 mmHg
- flexikon.doccheck.com · ab 135/85 mmHg gilt der Wert dort als erhöht
- herzmedizin.de · europäische Leitlinie von 2024
- dgn.org · Wer zusätzliche Risikofaktoren oder eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat, soll …
- leitlinien.de · sehr hohen Werten über 180 mmHg systolisch oder 110 mmHg diastolisch
- academic.oup.com · ESC-Leitlinie von 2024
- leitlinien.de · ob die Medikamente wie vereinbart eingenommen werden und ob andere Arzneimittel …
- escardio.org · ESC-Leitlinie von 2024



