Niedergeschlagenheit, Interessenverlust und Antriebsmangel, die länger als zwei Wochen anhalten, können auf eine Depression hinweisen. Die Erkrankung ist ernst, aber gut behandelbar: Psychotherapie, Medikamente oder beides bessern die Beschwerden bei den meisten Betroffenen deutlich. Wer die Anzeichen kennt und weiß, wie die Abklärung abläuft, findet schneller den Weg in die Behandlung. Wenn Sie sich akut selbst gefährden, etwa wenn Sie konkrete Suizidgedanken haben, zählt sofortige Hilfe: Rufen Sie die 112 oder suchen Sie die nächste psychiatrische Klinik auf.
Ob eine Depression vorliegt, klärt nur das ärztliche Gespräch. Anzeichen ernst zu nehmen und Hilfe zu suchen, ist der erste Schritt zur Besserung.
Symptome einer Depression
Eine Depression ist mehr als vorübergehende Traurigkeit. Die Beschwerden bestehen mindestens zwei Wochen und betreffen das gesamte Erleben und den Körper. Für die Diagnose müssen mindestens zwei Hauptsymptome vorliegen: gedrückte Stimmung, Verlust von Interesse oder Freude sowie verminderter Antrieb mit erhöhter Ermüdbarkeit.
Weitere mögliche Anzeichen sind Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme, Gedächtnisstörungen, vermindertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, Unruhe oder Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Suizidgedanken, Schlafstörungen sowie Veränderungen von Appetit und Gewicht. Auch körperliche Beschwerden wie Rücken-, Kopf- oder Bauchschmerzen, Herzprobleme, Atemnot, Verdauungsbeschwerden, Schwindel, Sehstörungen und verminderte Libido können auf eine Depression hinweisen.
Diese Anzeichen allein ergeben noch keine Diagnose. Sie sind ein Grund, die Beschwerden ärztlich abklären zu lassen, denn auch andere Erkrankungen können ähnliche Symptome verursachen. Besonders ernst nehmen sollten Sie Suizidgedanken: Sprechen Sie darüber, am besten mit einer Ärztin oder einem Arzt oder einer Beratungsstelle. Im akuten Notfall wählen Sie die 112.
Ursachen einer Depression
Die Ursachen sind komplex: Eine Depression entsteht aus einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Genetische, biologische, umweltbedingte, soziale und psychologische Einflüsse wirken zusammen; die genauen Mechanismen sind nur teilweise verstanden. Bestimmte Umstände erhöhen das Risiko. Dazu gehören weibliches Geschlecht, höheres Alter, allein zu leben, ein niedriger sozioökonomischer Status, eine familiäre Vorbelastung, chronische Erkrankungen, Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen und chronische Schmerzen. Auch hormonelle Veränderungen, frühere depressive Episoden oder Suizidversuche, andere psychische Erkrankungen, Einsamkeit, Traumata, belastende Lebensereignisse, Suchterkrankungen und chronischer Stress spielen eine Rolle.
Depressionen sind häufig: Nach Daten des AOK-Gesundheitsatlas ist ein erheblicher Teil der Bevölkerung betroffen.
So wird eine Depression diagnostiziert
Erster Ansprechpartner ist meist die Hausarztpraxis. Die Ärztin oder der Arzt spricht ausführlich mit Ihnen über Ihr seelisches und körperliches Befinden, frühere Erkrankungen, Medikamente und Ihre Lebensumstände. Standardisierte Fragebögen helfen, die Diagnose zu sichern und den Schweregrad einzuschätzen. Um andere Erkrankungen auszuschließen, folgen eine körperlich-neurologische Untersuchung, Blutuntersuchungen und ein EKG zur Kontrolle der Herzfunktion. Eine depressive Episode wird erst dann diagnostiziert, wenn die Beschwerden länger als zwei Wochen bestehen und körperliche Ursachen oder Ursachen durch Medikamente oder Drogen ausgeschlossen sind.
Bei schweren Symptomen, einer Verschlechterung oder ausbleibender Besserung überweist die Hausarztpraxis an eine Fachärztin oder einen Facharzt für Psychiatrie beziehungsweise an eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten. Auch bei diagnostischer Unsicherheit oder wenn weitere psychische Erkrankungen vorliegen, ist die fachärztliche Abklärung sinnvoll.
Nehmen Sie sich für das Gespräch konkrete Fragen mit, etwa: „Welche Behandlungsmöglichkeiten passen zu meiner Situation?“, „Wie lange muss ich mit einer Besserung rechnen?“, „Welche Nebenwirkungen sind möglich und was kann ich dagegen tun?“ und „Was kann ich selbst tun, um mich zu stabilisieren?“
Behandlung einer Depression
Ziel der Behandlung ist es, die Beschwerden zu lindern, Lebensfreude zurückzugewinnen und die Teilhabe an Alltag, Beruf und Freizeit zu ermöglichen. Außerdem soll ein Rückfall verhindert werden. Die Behandlung läuft in drei Phasen ab: Die Akuttherapie dauert sechs bis zwölf Wochen. Danach folgt die Erhaltungstherapie über sechs bis zwölf Monate. Bei hohem Rückfallrisiko schließt sich eine längerfristige Rückfallprophylaxe von mehr als einem Jahr an.
Psychotherapie und Medikamente gelten als etwa gleich wirksam; die Wahl treffen Sie gemeinsam mit der behandelnden Person. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt bei Depressionen vier Therapieformen: die kognitive Verhaltenstherapie, die analytische Psychotherapie, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die systemische Therapie.
Antidepressiva beeinflussen Botenstoffe im Gehirn wie Serotonin und Noradrenalin. Eine spürbare Besserung tritt meist erst nach drei bis vier Wochen ein, manchmal dauert es bis zu sechs Wochen. Antidepressiva machen nicht abhängig und verändern nicht die Persönlichkeit. Wer sie abrupt absetzt, riskiert ein Absetzsyndrom. Dabei treten Beschwerden wie Unruhe, Schwindel oder Schlafstörungen auf. Das Absetzen sollte daher langsam und in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt erfolgen.
Als Mittel der ersten Wahl gelten selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Das sind Antidepressiva, die den Botenstoff Serotonin länger im Gehirn wirken lassen. Zu den häufigen Nebenwirkungen zählen Angst, Schlaflosigkeit, sexuelle Funktionsstörungen, Übelkeit und Kopfschmerzen; manche SSRI können zu Gewichtszunahme führen. Ob und welches Medikament infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt; das gilt besonders in der Schwangerschaft, bei Kindern und bei körperlichen Erkrankungen.
Johanniskraut ist bei leichten bis mittelschweren Depressionen zugelassen. Es kann aber mit anderen Medikamenten Wechselwirkungen eingehen, auch mit hormonellen Verhütungsmitteln, deren Zuverlässigkeit dadurch sinkt. Auch deshalb gehört die Einnahme in ärztliche Hände.
Zusätzlich gibt es Verfahren, die nur bei bestimmten Formen oder in bestimmten Situationen infrage kommen. Die Wachtherapie, also bewusster Schlafentzug, kann die Stimmung bereits am nächsten Tag bessern, wirkt aber nur kurz und ist bei Epilepsie nicht geeignet. Eine Lichttherapie hilft bei saisonaler Depression, also bei Beschwerden, die vor allem in den dunklen Monaten auftreten. Je nach Gerät reichen etwa 30 Minuten täglich. Die Wirkung kann bis zu vier Wochen auf sich warten lassen. Bei schweren oder behandlungsresistenten Verläufen kommt die Elektrokrampftherapie infrage. Dabei wird unter kurzer Narkose ein kontrollierter Krampfanfall ausgelöst. Ihre Wirksamkeit ist in Studien gut belegt.
Bei den meisten Betroffenen mit einer einzelnen Episode bessern sich die Beschwerden innerhalb von sechs Wochen deutlich. Etwa die Hälfte erlebt später einen Rückfall; nach zehn Jahren sind jedoch mehr als 90 Prozent wieder frei von Depressionen.
Anlaufstellen und Notfallhilfe
Wer nicht sofort einen Therapieplatz findet, hat mehrere leicht erreichbare Anlaufstellen. Das Info-Telefon Depression (0800 3344533) bietet Betroffenen und Angehörigen kostenlose Informationen, ersetzt aber keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter 0800 1110111, 0800 1110222 und 116123 erreichbar; die Anrufe sind kostenlos und anonym. Einen Therapieplatz vermittelt der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. In der Datenbank der NAKOS können Sie Selbsthilfegruppen nach Ort und Thema suchen.
Bei akuter Suizidgefahr zählt jede Minute: Rufen Sie die 112, wenden Sie sich an eine ärztliche Praxis oder die nächste psychiatrische Klinik. Auch Suizidgedanken ohne konkreten Plan sollten Sie ernst nehmen und mit einer Vertrauensperson oder einer Beratungsstelle besprechen. Viele Menschen zögern, Hilfe zu suchen, weil sie Scham oder Angst vor Stigmatisierung haben. Dabei ist eine Depression eine Erkrankung wie andere auch, und ein offenes Gespräch ist der erste Schritt zur Besserung.
Quellen
- deximed.de · mindestens zwei Hauptsymptome
- gesundheitsatlas-deutschland.de · AOK-Gesundheitsatlas
- karin-kelle-herfurth.de · Hausarztpraxis
- rosenfluh.ch · länger als zwei Wochen bestehen
- msdmanuals.com · selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)
- deutsche-depressionshilfe.de · Info-Telefon Depression
- telefonseelsorge.de · Telefonseelsorge
- deutsche-depressionshilfe.de · akuter Suizidgefahr



