Stress ist eine natürliche Reaktion des Körpers: Bei kurzer Belastung schüttet er Hormone aus, die Sie wacher und leistungsfähiger machen. Zur Dauerbelastung wird Stress, wenn die Anspannung nicht nachlässt, weil Erholungsphasen fehlen. Dann bleibt der Körper in Alarmbereitschaft. Das kann auf Dauer körperlich und seelisch krank machen.

Ob Termindruck, Konflikte oder hohe Arbeitslast Sie stresst, hängt von Ihrer Einschätzung ab. Wer Warnzeichen kennt und weiß, wann ärztliche Hilfe sinnvoll ist, kann früher gegensteuern.

Akuter und chronischer Stress

Der Körper durchläuft bei Belastung drei Phasen: In der Alarmreaktion mobilisiert er Energie, in der Widerstandsphase hält er die Anspannung aufrecht, und in der Erschöpfungsphase lassen die Kräfte nach. Fachleute unterscheiden akuten und chronischen Stress: Akuter Stress ist kurzfristig und klingt ab, sobald die belastende Situation vorbei ist. Chronischer Stress entsteht, wenn immer wieder neue Stressreaktionen folgen und der Körper kaum Gelegenheit hat, zur Ruhe zu kommen.

Bei anhaltendem Stress bleibt der Spiegel des Stresshormons Kortisol erhöht. Kortisol versetzt den Stoffwechsel in Alarmbereitschaft. Auf Dauer kann das dazu führen, dass die Körperzellen Zucker schlechter aufnehmen und die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin bildet. So begünstigt Dauerstress körperliche Erkrankungen.

Woran Sie Dauerstress erkennen

Dauerstress zeigt sich selten an einem einzelnen Symptom. Typisch sind Kopfschmerzen, Verspannungen und Schlafstörungen. In der Erschöpfungsphase sinkt die Leistungsfähigkeit, das Immunsystem arbeitet schlechter, und das Risiko für Angsterkrankungen oder Depressionen steigt.

Weil die Anspannung alltäglich wird, fällt es manchmal schwer, sie überhaupt noch als Belastung wahrzunehmen. Ein Warnsignal ist, wenn der Körper auch in ruhigen Momenten nicht zur Ruhe kommt, weil Erholungsphasen fehlen. Ob ein Auslöser Sie stresst, hängt von Ihrer persönlichen Einschätzung ab: Was der eine als Herausforderung empfindet, bringt den anderen an seine Grenzen.

Welche Krankheiten Dauerstress begünstigt

Stress ist in der Regel nicht der alleinige Auslöser einer Erkrankung, sondern ein Risikofaktor, der Erkrankungen begünstigt und das Immunsystem schwächt. Chronischer Stress begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes Typ 2 sowie Depressionen und Verdauungsprobleme.

Der Zusammenhang mit dem Herzen ist besonders gut untersucht. Psychischer Stress kann akute Herzbeschwerden bis hin zu Herzinfarkt auslösen, etwa Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche. Er kann aber auch funktionelle Herzbeschwerden wie Herzstolpern, Herzrasen oder Herzschmerzen verursachen, ohne dass sich organische Schäden finden lassen.

Wie Dauerstress über das Immunsystem auf das Gehirn wirkt, ist noch nicht abschließend geklärt. Forschende der Universität Zürich zeigten bei Mäusen, dass chronischer Stress ein Enzym aus Immunzellen ins Gehirn gelangen lässt und sozialen Rückzug begünstigt. Dieselbe Veränderung fanden sie auch bei depressiven Patienten. Ob sich daraus Behandlungen ableiten lassen, ist offen.

Wer in Deutschland besonders gestresst ist

Eine deutschlandweite Erhebung aus dem Jahr 2025 zeigt, wie verbreitet das Thema ist: Zwei Drittel der Erwachsenen fühlten sich zumindest manchmal gestresst, etwa ein Drittel sogar häufig. Fast ein Viertel der Menschen, die sich häufig gestresst fühlten, bewertete den eigenen Gesundheitszustand als weniger gut oder schlecht. Bei Menschen, die sich nur manchmal oder selten gestresst fühlten, waren es 13 Prozent.

Frauen sind insgesamt stärker betroffen. In einer forsa-Umfrage im Auftrag der KKH gab die Hälfte der befragten Frauen an, häufig oder sehr häufig unter Stress zu stehen. Bei den Männern waren es 37 Prozent. Männer nennen als Hauptauslöser häufiger den Beruf. Auch in der medizinischen Versorgung zeigt sich das. 2022 erhielt bundesweit jede achte Bluthochdruck-Patientin zusätzlich eine Stressdiagnose. Bei den Männern war es jeder 13.

Was Burnout und Burn-on bedeuten

Im Alltag ist schnell von Burnout die Rede, wenn jemand über Monate erschöpft ist. Medizinisch ist Burnout keine eigenständige Diagnose: Ärztinnen und Ärzte können es nur als Zusatzkodierung vermerken, das heißt zusätzlich zu einer anderen Diagnose wie einer Depression, einer Angst- oder einer Suchterkrankung. Wer dauerhaft erschöpft ist, sollte die Beschwerden daher abklären lassen, statt sich auf ein Burnout-Etikett zu verlassen.

Der Begriff Burn-on beschreibt Menschen, die im Dauerstress weiter funktionieren und über Monate oder Jahre im roten Bereich bleiben, ohne zusammenzubrechen. Verlässliche Studien dazu gibt es noch nicht. Bekannt ist jedoch: anhaltende Anspannung ohne echte Erholung, auch wenn nach außen alles läuft.

Was gegen Dauerstress hilft

Die wichtigste Stellschraube ist, dem Körper regelmäßig Erholung zu verschaffen. Bewegung, Yoga, Meditation, progressive Muskelentspannung und Achtsamkeitstraining können helfen, die Anspannung abzubauen. Wichtig ist, eine Form zu finden, die Sie regelmäßig durchhalten.

Achten Sie auch auf Ihr Verhalten in Stressphasen: Der Griff zu Alkohol, Zigaretten, ungesundem Essen oder zu wenig Schlaf verschafft kurzfristig Entlastung, fördert auf Dauer aber Erkrankungen.

Wann Sie ärztliche Hilfe suchen sollten

Wenn die Beschwerden länger anhalten, der Schlaf über Wochen gestört ist oder Sie sich zunehmend antriebslos fühlen, ist die Hausärztin oder der Hausarzt der richtige erste Ansprechpartner. Sie oder er kann körperliche Ursachen abklären und einschätzen, ob eine Psychotherapie sinnvoll ist.

Nehmen Sie konkrete Fragen mit ins Gespräch, zum Beispiel: Seit wann fühle ich mich erschöpft? Was hat sich in Schlaf, Appetit oder Stimmung verändert? Welche Belastungen sind in letzter Zeit dazugekommen? Ob Medikamente helfen, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Setzen Sie verordnete Mittel nicht eigenmächtig ab.

Sind Brustschmerzen neu aufgetreten oder mit Atemnot verbunden, sollten Sie ärztliche Hilfe suchen. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt wählen Sie die Notrufnummer. Für dringende, nicht lebensbedrohliche Beschwerden außerhalb der Sprechzeiten ist der ärztliche Bereitschaftsdienst zuständig. Wenn Sie nachts oder am Wochenende jemanden zum Reden brauchen, ist die Telefonseelsorge unter 116 123 rund um die Uhr erreichbar.

Quellen

  1. gesund.bund.de · natürliche Reaktion des Körpers
  2. stiftung-gesundheitswissen.de · Erholungsphasen fehlen
  3. usz.ch · ein Risikofaktor, der Erkrankungen begünstigt
  4. aok.de · Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes Typ 2
  5. herzstiftung.de · akute Herzbeschwerden bis hin zu Herzinfarkt
  6. nachrichten.idw-online.de · Forschende der Universität Zürich
  7. frauengesundheitsportal.de · die Hälfte der befragten Frauen
  8. dguv.de · keine eigenständige Diagnose
  9. barmer.de · Burn-on

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