Eine Panikattacke ist ein plötzlicher, heftiger Angstanfall, der ohne erkennbaren Grund auftreten kann. Das Herz rast, die Luft bleibt weg, viele Betroffene fürchten zu sterben oder die Kontrolle zu verlieren. So bedrohlich sich das anfühlt: Sie ist nicht gefährlich und klingt meist innerhalb von Minuten von selbst ab. Wer versteht, was dabei im Körper passiert, verliert einen Teil der Angst vor der Angst.

Dieser Artikel erklärt die typischen Beschwerden, wann aus einzelnen Attacken eine behandlungsbedürftige Panikstörung wird, also eine Erkrankung mit wiederkehrenden, unerwarteten Angstattacken, und welche Behandlungen und Anlaufstellen es in Deutschland gibt. Wer zum ersten Mal solche Beschwerden erlebt, sollte sie ärztlich abklären lassen, denn auch Herz- oder Schilddrüsenerkrankungen können ähnliche Symptome auslösen.

Was bei einer Panikattacke passiert

Eine Panikattacke kann durch eine bedrohliche Situation ausgelöst werden, sie tritt aber oft ohne erkennbaren Anlass auf. Die Beschwerden erreichen innerhalb von etwa zehn Minuten ihren Höhepunkt und klingen danach meist rasch wieder ab. Spätestens nach zwei Stunden ist die Attacke vorüber.

Bei einer Panikattacke treten mindestens vier dieser Beschwerden gleichzeitig auf:

  • Herzrasen, Zittern, Schwitzen und Mundtrockenheit
  • Erstickungsgefühle, Atemnot und Enge in der Brust
  • Schwindel, Übelkeit, Hitzewallungen oder Kälteschauer
  • Taubheits- oder Kribbelgefühle sowie das Gefühl, die Umgebung sei unwirklich
  • Angst zu sterben oder die Kontrolle zu verlieren

So unterschiedlich die Beschwerden sind, sie haben eines gemeinsam: Sie entstehen durch eine übersteigerte Alarmreaktion des Körpers und sind unangenehm und beängstigend, aber nicht gefährlich. Viele Betroffene fürchten während einer Attacke, einen Herzinfarkt zu erleiden oder zu sterben. Genau diese Todesangst gehört zu den typischen Symptomen und klingt mit der Attacke wieder ab.

Wann aus Panikattacken eine Panikstörung wird

Etwa jeder zehnte Erwachsene erlebt pro Jahr eine Panikattacke. Von einer Panikstörung sprechen Fachleute erst, wenn die Attacken wiederholt und unerwartet auftreten. Die Panikstörung ist seltener: Die Lebenszeitprävalenz, also der Anteil der Menschen, die im Lauf des Lebens erkranken, liegt bei ein bis sechs Prozent. Frauen erkranken etwa doppelt so häufig wie Männer. Bei mehr als vier von fünf Betroffenen kommt eine weitere psychische Erkrankung hinzu, am häufigsten Depressionen, Zwangsstörungen oder Alkoholabhängigkeit.

Zwei Drittel der Betroffenen entwickeln im Verlauf eine Agoraphobie, die Angst vor Orten und Situationen, aus denen eine Flucht schwerfällt, etwa Menschenmengen, Aufzüge oder öffentliche Verkehrsmittel. Viele Betroffene meiden solche Situationen zunehmend, bis sie kaum noch das Haus verlassen.

Was die Erkrankung auslöst

Eine einzelne Ursache gibt es nicht. Die Bundespsychotherapeutenkammer beschreibt ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, Neurobiologie, psychischen und sozialen Belastungen sowie ungünstigen Erfahrungen. Angehörige ersten Grades, also Eltern, Geschwister oder Kinder von Betroffenen, haben ein etwa drei- bis fünffach erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Auch belastende Lebensereignisse wie Trennungen, Verluste oder Überforderung im Beruf können die erste Attacke auslösen.

Wie die Diagnose gesichert wird

Wer wiederholt Attacken erlebt, sollte den Verdacht ärztlich abklären lassen. Die Diagnose einer Panikstörung stellen Ärztinnen und Ärzte in einem ausführlichen Gespräch, das durch Fragebögen oder das Gespräch mit Angehörigen ergänzt werden kann. Vorher müssen körperliche Ursachen ausgeschlossen werden, denn Herzrasen und Atemnot können auch von Herzrhythmusstörungen, einer Schilddrüsenüberfunktion oder Asthma herrühren; je nach Befund kommen ein EKG zur Herzuntersuchung, eine Blutuntersuchung oder ein Lungenfunktionstest zum Einsatz.

Psychotherapie gegen Panikstörung

Die wirksamste Behandlung der Panikstörung ist die kognitive Verhaltenstherapie, kurz KVT. In dieser Form der Psychotherapie lernen Betroffene, angstauslösende Gedanken zu erkennen und zu überprüfen, sich gefürchteten Situationen schrittweise zu stellen und mit langsamer, kontrollierter Atmung oder Entspannungstechniken zu reagieren. Die KVT hat in den deutschen S3-Leitlinien, den höchsten Behandlungsleitlinien für Angsterkrankungen, den höchsten Empfehlungsgrad. Psychotherapie und Medikamente gelten dort als gleichwertige Optionen. Bei einer Agoraphobie kommt eine Expositionstherapie hinzu: Betroffene suchen die gemiedenen Orte kontrolliert und begleitet auf, bis die Angst nachlässt.

Bis zu 80 Prozent der Behandelten sind nach einer Psychotherapie dauerhaft frei von behandlungsbedürftigen Beschwerden. Bei der Panikstörung gilt: Fast neun von zehn Betroffenen sind nach der Therapie frei von Panikattacken, nach sieben Jahren noch zwei von drei.

Ergänzend können Ausdauersport, Entspannungstechniken, ein Symptomtagebuch und internetbasierte Verhaltenstherapie die Behandlung unterstützen. Für pflanzliche Arzneimittel, Homöopathie und andere Alternativmedizin gibt es keine Belege für eine Wirkung bei der Panikstörung.

Medikamente gegen Panikstörung

Neben der Psychotherapie steht eine medikamentöse Behandlung. Zum Einsatz kommen vor allem Antidepressiva aus den Gruppen SSRI und SNRI. Diese Medikamente wurden ursprünglich gegen Depressionen entwickelt und wirken auch angstlösend. Sie erhöhen die Konzentration des Botenstoffs Serotonin im Gehirn und dämpfen das Angstnetzwerk. Die volle Wirkung zeigt sich frühestens nach drei bis vier Wochen, manchmal erst nach fünf bis sechs Wochen. In den ersten Tagen können die Medikamente Unruhe und Angst vorübergehend verstärken. Deshalb beginnen Behandelnde niedrig dosiert und steigern die Dosis langsam. Nebenwirkungen treten meist nur in den ersten zwei Wochen der Einnahme auf und klingen danach ab.

Eine Metaanalyse von 37 kontrollierten Studien befasste sich mit der generalisierten Angststörung, einer Form der Angststörung mit anhaltender Sorge und Anspannung. Ihr Ergebnis: Unter Antidepressiva war die Chance auf eine mindestens 50-prozentige Besserung der Angstsymptome um 41 Prozent höher als unter Placebo, also einem Scheinmedikament ohne Wirkstoff. Allerdings brachen mehr als doppelt so viele Behandelte die Medikamente wegen Nebenwirkungen ab wie in der Placebogruppe. Auch bei der Panikstörung gehören Antidepressiva zu den empfohlenen Behandlungen. Nutzen und mögliche Nebenwirkungen sollten Behandelnde und Betroffene gemeinsam abwägen.

Nach einer Besserung sollten die Medikamente noch mindestens sechs bis zwölf Monate eingenommen werden, um Rückfälle zu verhindern. Deshalb gehört auch das Absetzen in ärztliche Begleitung. Wer schwanger ist, stillt oder andere Erkrankungen hat, bespricht die Medikamentenwahl vorher mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.

Von Beruhigungsmitteln wie Valium oder Tavor raten Fachleute bei Angststörungen ab, weil sie schnell abhängig machen. Sie wirken zwar rasch, sind aber keine Dauerbehandlung.

Was bei einer akuten Attacke hilft

Eine akute Panikattacke lässt sich in den meisten Fällen ohne Medikamente beruhigen. Die Anwesenheit einer vertrauten Person, die ruhig bleibt und versichert, dass die Beschwerden vorübergehen, wirkt oft schon beruhigend. Auch die in der Verhaltenstherapie geübte langsame, kontrollierte Atmung kann die körperliche Erregung dämpfen. Wer eine Attacke spürt, kann sich sagen: Die Beschwerden sind unangenehm, aber vorübergehend.

Bei Suizidgedanken oder besonders schweren Symptomen ist sofortige ärztliche Hilfe nötig. In einer Notlage erreichen Sie den Rettungsdienst unter 112.

Wo Sie schnell Hilfe finden

Erste Anlaufstelle bei wiederkehrenden Panikattacken ist die Hausarztpraxis. Hausärztinnen und Hausärzte klären körperliche Ursachen ab, geben eine erste Einschätzung und überweisen bei Bedarf an eine psychotherapeutische oder psychiatrische Praxis (gesund.bund.de).

Außerhalb der Sprechzeiten ist der ärztliche Bereitschaftsdienst für dringende, aber nicht lebensbedrohliche Beschwerden zuständig. In einer akuten Krise hilft rund um die Uhr die Telefonseelsorge unter 0800 1110111, 0800 1110222. Sie ist kostenlos und anonym; Beratung gibt es auch per Mail und Chat sowie über die App KrisenKompass. Weitere Krisentelefone und Anlaufstellen, etwa die der Deutschen Depressionshilfe, listet das Familienportal des Bundesministeriums.

Quellen

  1. deximed.de · Herz- oder Schilddrüsenerkrankungen können ähnliche Symptome auslösen
  2. msdmanuals.com · ohne erkennbaren Anlass auf
  3. bptk.de · Die Bundespsychotherapeutenkammer beschreibt ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, Neurobiologie, psychischen und …
  4. aerzteblatt.de · etwa drei- bis fünffach erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken
  5. stiftung-gesundheitswissen.de · Sie erhöhen die Konzentration des Botenstoffs Serotonin im Gehirn und dämpfen …
  6. aerzteblatt.de · Metaanalyse von 37 kontrollierten Studien
  7. gesund.bund.de · gesund.bund.de
  8. telefonseelsorge.de · Telefonseelsorge
  9. familienportal.de · Familienportal des Bundesministeriums

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