Wer im Internet nach Symptomen, Medikamenten oder Behandlungen sucht, bekommt viele Antworten, aber selten verlässliche. Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland informiert sich online über Gesundheitsthemen. Doch nur 24 von 100 finden sich im Angebot zurecht, berichtet die Verbraucherzentrale. Das Problem ist nicht die Menge der Seiten. Suchmaschinen prüfen nicht, ob die Informationen stimmen.

Verlässliche Gesundheitsinformationen erkennen Sie an konkreten Merkmalen: Wer betreibt und finanziert die Seite? Nennt sie Quellen und Aktualisierungsdatum? Beschreibt sie Nutzen und Schäden einer Behandlung? Diese Kriterien prüfen Sie in wenigen Minuten.

Suchtreffer sind keine Qualitätsauszeichnung

Die Reihenfolge der Suchergebnisse sagt nichts über die fachliche Güte einer Seite aus. Bei den ersten Treffern handelt es sich häufig um bezahlte Anzeigen. Viele Anbieter gestalten ihre Seiten gezielt so, dass sie weit oben erscheinen, auch wenn die Informationen dort falsch sind. Gesundheitsinformation.de empfiehlt deshalb, mehr als zehn Treffer anzusehen und auch die Folgeseiten zu berücksichtigen. Die Stiftung Gesundheitswissen weist darauf hin, dass persönliche Suchverläufe und Cookies die Ergebnisse beeinflussen. So können einseitige Informationen entstehen.

Ein weiteres Problem: Menschen vertrauen Seiten, die gut gestaltet und leicht zu bedienen sind. Eine wissenschaftliche Übersicht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zeigt: Design und Nutzerfreundlichkeit prägen die Glaubwürdigkeitseinschätzung stark. Beides sagt aber nichts über die inhaltliche Qualität aus. Eine aufgeräumte Website ist also kein Qualitätsmerkmal.

Wer die Seite betreibt und finanziert

Prüfen Sie vor der Nutzung, wer die Seite betreibt und welche Ziele er verfolgt. Die Angaben finden Sie meist unter „Impressum“, „Kontakt“ oder „Über uns“. In Deutschland muss jede Website, die nicht ausschließlich privaten Zwecken dient, ein Impressum haben. Darin stehen mindestens Name, Adresse und Kontaktmöglichkeiten, erklärt das AOK-Magazin.

Gute Seiten machen nachvollziehbar, wer die Informationen zusammengestellt hat: Sie nennen die Betreiber, die Autorinnen und Autoren, deren Qualifikation und die Finanzierungsgrundlage. Als unabhängig gelten nach Stiftung Gesundheitswissen in der Regel Universitäten, Forschungsinstitute, Ministerien, gesetzliche Krankenkassen, gemeinnützige Stiftungen und Vereine. Vorsicht ist geboten, wenn Unternehmen oder Privatkliniken die Seite betreiben und gleichzeitig Produkte oder Behandlungen verkaufen.

Warnsignale in Sprache und Werbung

Bestimmte Formulierungen deuten darauf hin, dass eine Seite nicht neutral informiert. Gesundheitsinformation.de rät zur Vorsicht, wenn bei schweren Erkrankungen von Heilung die Rede ist oder wenn „Schulmedizin“ abwertend verwendet wird. Auch Werbung zum passenden Produkt neben dem Text und der Verkauf von Produkten direkt oder über verlinkte Shops sind Warnsignale.

Auch Übertreibungen sind ein Warnsignal. Formulierungen wie „absolut nebenwirkungsfrei“, „hundertprozentig garantierte Wirkung“ oder „nur kurze Zeit verfügbar“ versprechen mehr, als Medizin halten kann, schreibt das AOK-Magazin. Der SWR nennt zudem Sätze wie „Diese Krankheit wird von Ärzten verschwiegen“ als typisch für unseriöse Angebote. Seriöse Informationen erklären dagegen auch Unsicherheiten und unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten.

Vorsicht gilt auch in Internetforen, denn dort sind Angaben subjektiv und werden nicht auf Richtigkeit geprüft. Manche Personen geben sich fälschlich als Patientinnen oder Patienten aus und werben versteckt für Produkte. Erfahrungsberichte sind kein Beleg dafür, dass eine Behandlung wirkt.

Merkmale seriöser Gesundheitsinformationen

Eine gute Gesundheitsinformation beschreibt eine Behandlung vollständig. Sie erklärt, wie die Behandlung wirkt, welche Erfolge möglich sind, was ohne Behandlung geschieht, welche Alternativen es gibt, welche Nebenwirkungen auftreten können, wo die Forschung unsicher ist und welche Kosten die Patientin oder der Patient selbst trägt. Wer nur Vorteile aufzählt und Risiken verschweigt, verfolgt eher Werbeziele als Informationsziele.

Seriöse Seiten nennen ihre wissenschaftlichen Quellen und ein Veröffentlichungs- oder Aktualisierungsdatum. Medizinisches Wissen ändert sich, veraltete Angaben können gefährlich werden. Die Checkliste der Verbraucherzentrale NRW fasst zehn Prüfpunkte zusammen. Sie fragt etwa nach Anbieter, Zielen, Autorinnen und Autoren, Qualität der Information und Erstellungsdatum. Weitere Punkte sind die Trennung von Information und Werbung sowie Datenschutz.

Auch Gütesiegel ersetzen die eigene Prüfung nicht vollständig. Das AFGIS-Siegel für Online-Gesundheitsinformationen zeigt nach Medizin transparent an, wie eine Seite finanziert wird, wer die Informationen schreibt und wer verantwortlich ist. Ob die Inhalte selbst richtig sind, prüft AFGIS nicht.

Verlässliche Anlaufstellen

Statt bei einer allgemeinen Suchmaschine zu beginnen, können Sie direkt auf Portale gehen, die für ihre Qualität bekannt sind. Der SWR nennt als verlässliche Ausgangspunkte das Gesundheitsportal des Bundes gesund.bund.de, Gesundheitsinformation.de des IQWiG, patienten-information.de des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin und den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums.

Die Verbraucherzentrale ergänzt weitere Anlaufstellen mit fundierten, aktuellen und unabhängigen Informationen: das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, das Deutsche Ärzteblatt, Gute Pillen – Schlechte Pillen, den IGeL-Monitor, Medizin transparent, MedWatch, das Robert Koch-Institut und die Stiftung Gesundheitswissen.

Wann Sie ärztliche Hilfe suchen sollten

Gesundheitsinformationen aus dem Internet ersetzen kein Arztgespräch und eignen sich nicht zur Selbstdiagnose. Verschiedene Krankheiten zeigen auf den ersten Blick ähnliche Symptome: Eine harmlose Hautveränderung kann für einen bösartigen Tumor gehalten werden, und harmlose Beschwerden können unnötige Ängste auslösen. Bei starken, plötzlich auftretenden oder ungewöhnlichen Beschwerden sollten Sie nicht stundenlang recherchieren, sondern medizinische Hilfe suchen, rät der SWR. Bei Lebensgefahr wählen Sie den Notruf, bei dringenden Beschwerden außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst.

Nutzen Sie gut recherchierte Informationen als Vorbereitung für das Arztgespräch. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt konkret nach dem Nutzen der vorgeschlagenen Behandlung, nach möglichen Nebenwirkungen, nach Alternativen und danach, was ohne Behandlung zu erwarten ist. Ob ein Medikament für Sie geeignet ist, ob eine Behandlung in der Schwangerschaft oder bei Kindern infrage kommt und ob ein Therapiewechsel sinnvoll wäre, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Die Checkliste der Verbraucherzentrale NRW führt als Prüfpunkt auch die Wirkung auf die Arzt-Patienten-Beziehung auf: Gute Informationen unterstützen das Gespräch, ersetzen es aber nicht.

Quellen

  1. verbraucherzentrale.de · Verbraucherzentrale
  2. aok.de · Reihenfolge der Suchergebnisse
  3. swr.de · bezahlte Anzeigen
  4. IQWiG / Gesundheitsinformation.de · Gesundheitsinformation.de
  5. stiftung-gesundheitswissen.de · Stiftung Gesundheitswissen
  6. krankenkassen.de · Checkliste der Verbraucherzentrale NRW
  7. medizin-transparent.at · Medizin transparent

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