Wer sich gegen Grippe impfen lassen möchte, sollte den Termin zwischen Oktober und Mitte Dezember legen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt diesen Zeitraum, weil der Körper nach der Impfung einige Zeit braucht, bis der Schutz vollständig aufgebaut ist.
Bei der Planung sind drei Punkte wichtig: Gehören Sie zu einer Gruppe, für die die Impfung ausdrücklich empfohlen ist? Wann legen Sie den Termin? Übernimmt Ihre Krankenkasse die Kosten? Außerdem sollten Sie wissen, was die Impfung leisten kann und wo ihre Grenzen liegen.
Wem die STIKO die Grippeimpfung empfiehlt
Die STIKO empfiehlt die Grippeimpfung nicht allen Menschen. Sie empfiehlt sie Menschen, für die eine Ansteckung besonders gefährlich ist, und Menschen, die andere anstecken könnten. Zu diesen Gruppen zählen ältere Menschen und Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel. Bei erhöhtem Risiko durch eine Grunderkrankung empfiehlt die STIKO die Impfung Schwangeren schon ab dem ersten Schwangerschaftsdrittel. Die Empfehlung gilt auch für Menschen mit chronischen Erkrankungen der Atemwege, des Herzens, der Leber, der Nieren, des Stoffwechsels oder des Nervensystems. Die STIKO nennt außerdem Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen, medizinisches Personal und Menschen mit viel Publikumsverkehr im Beruf. Wer mit Risikopersonen im Haushalt lebt oder sie pflegt, sollte sich impfen lassen, um sie nicht anzustecken. Das Gleiche gilt für Menschen, die beruflich oder privat regelmäßig Kontakt zu Schweinen, Geflügel, Wildvögeln oder Robben haben.
Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder mit einer Therapie, die das Immunsystem unterdrückt (etwa wegen einer Autoimmunerkrankung), sollen den inaktivierten Impfstoff erhalten. Dieser wird auch Totimpfstoff genannt. Er enthält keine Viren, die sich vermehren können. Studien fanden bei Autoimmunerkrankungen keinen Zusammenhang zwischen der Impfung und Krankheitsschüben.
Für ältere Menschen empfiehlt die STIKO für die Saison 2026/27 einen von zwei speziellen Impfstoffen: den Hochdosis-Impfstoff oder einen Impfstoff mit dem Adjuvans MF-59. Ein Adjuvans ist ein Zusatzstoff, der die Immunantwort verstärkt. Der Grund für die spezielle Empfehlung ist, dass das Immunsystem mit zunehmendem Alter schwächer auf Impfungen reagiert. Fachleute nennen das Immunseneszenz. Die beiden Impfstoffe gleichen diese schwächere Reaktion teilweise aus.
Wer nicht zu den genannten Gruppen gehört, sollte das nicht als Empfehlung gegen die Impfung verstehen. Die STIKO rät nicht von der Impfung ab; sie spricht nur keine ausdrückliche Empfehlung aus. Ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt, sollten Sie in diesem Fall vorab klären.
Wann der beste Zeitpunkt ist
Der beste Zeitraum für die Impfung ist Oktober bis Mitte Dezember. Der Körper braucht nach der Impfung einige Zeit, bis der Schutz vollständig aufgebaut ist. Deshalb sollte die Impfung früh genug erfolgen, damit Sie zur Grippesaison geschützt sind. Wer in dieser Saison bereits geimpft wurde, braucht keine zweite Impfung; die STIKO rät davon ab.
Die Grippeimpfung lässt sich mit anderen Impfungen kombinieren. Zwischen der COVID-19-Impfung und der Grippeimpfung ist kein Abstand nötig. Beide können am selben Termin erfolgen; dann setzt die Ärztin oder der Arzt die Spritzen an verschiedenen Armen. Auch mit den proteinbasierten Impfstoffen gegen RSV ist eine gleichzeitige Gabe möglich. Diese Impfstoffe enthalten Proteine des Virus. RSV steht für Respiratorisches Synzytial-Virus, einen Erreger von Atemwegsinfektionen. Für die gleichzeitige Gabe mit dem mRNA-basierten RSV-Impfstoff (Boten-RNA) liegen noch keine Daten vor.
Für die Saison 2026/27 wurden alle drei Impfstoffbestandteile an die erwarteten Virusvarianten angepasst. Das Paul-Ehrlich-Institut, das in Deutschland Impfstoffe prüft und zulässt, hat mehr als fünf Millionen Dosen für den deutschen Markt freigegeben. Zugleich warnte das Institut vor möglichen Lieferengpässen. Es forderte Ärztinnen und Ärzte sowie Apotheken auf, ihre benötigten Impfstoffmengen bis zum 31. März 2026 zu bestellen. Vereinbaren Sie den Impftermin deshalb frühzeitig, damit Ihre Praxis den passenden Impfstoff rechtzeitig bestellen kann.
Wie gut die Grippeimpfung schützt
Die Grippeimpfung kann das Risiko, an Grippe zu erkranken, um mehr als die Hälfte senken. Weil jedes Jahr andere Virusvarianten im Umlauf sind, muss die Impfung jährlich aufgefrischt werden; der Impfstoff wird entsprechend angepasst.
Wie gut der Impfstoff in einer Saison wirkt, hängt davon ab, wie gut seine Bestandteile zu den Viren passen, die in dieser Saison im Umlauf sind. In europäischen und US-amerikanischen Studien aus den Jahren 2010/11 bis 2019/20 lag die Wirksamkeit bei der Verhinderung von Arztbesuchen wegen Grippe, die durch Labortests bestätigt wurden, zwischen 20 und 60 Prozent. Für ältere Menschen rechnet das RKI mit einer durchschnittlichen Wirksamkeit von 41 Prozent. Das bedeutet: Wenn von 100 ungeimpften älteren Menschen 10 an Grippe erkranken, erkranken von 100 geimpften etwa 6. Schätzungen zufolge verhindert die Impfung in Deutschland jährlich rund 400.000 Grippefälle bei älteren Menschen.
Wer trotz Impfung erkrankt, hat in der Regel einen milderen Verlauf mit weniger Komplikationen als Ungeimpfte. Einen vollständigen Schutz bietet kein Impfstoff: Wer sich kurz vor der Impfung oder in den ersten Tagen danach ansteckt, kann trotzdem erkranken. Die in Deutschland verwendeten Totimpfstoffe enthalten keine vermehrungsfähigen Viren. Sie können die Grippe nicht auslösen und nicht an andere weitergegeben werden.
Was die Grippeimpfung kostet
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten für die Grippeimpfung, wenn die Impfung der aktuellen STIKO-Empfehlung entspricht. Das gilt auch für die beiden speziellen Impfstoffe für ältere Menschen, Efluelda und Fluad Tetra. Für die Saison 2026/27 erstattet die Kasse dafür pro Dosis 25,09 Euro.
Für Kinder und Jugendliche ohne Vorerkrankungen empfiehlt die STIKO die Grippeimpfung nicht. Mehrere Krankenkassen, darunter TK, BARMER, DAK und AOK Rheinland/Hamburg, übernehmen die Kosten für Kinder und Jugendliche in der Saison 2026/27 freiwillig. Als Alternative gibt es für Kinder von 2 bis 17 Jahren einen Lebendimpfstoff in Form eines Nasensprays. Er enthält abgeschwächte, aber vermehrungsfähige Viren und ist für Menschen mit Immunschwäche nicht geeignet. Wer engen Kontakt zu stark immungeschwächten Menschen hat, sollte ebenfalls darauf verzichten, weil in den ein bis zwei Wochen nach der Impfung eine Übertragung auf diese Personen möglich ist.
Gut vorbereitet ins Arztgespräch
Nehmen Sie zum Impftermin die Versichertenkarte und den Impfpass mit. Im Gespräch klären Sie am besten:
- Welcher Impfstoff ist für mich geeignet? Die Antwort hängt von Ihrem Alter, Vorerkrankungen und dem Zustand Ihres Immunsystems ab.
- Kann ich die Grippeimpfung mit der COVID-19- oder RSV-Impfung an einem Termin verbinden?
- Übernimmt meine Krankenkasse die Kosten, falls ich nicht zur empfohlenen Gruppe gehöre?
Wenn Sie schwanger sind oder Ihr Immunsystem geschwächt ist, besprechen Sie den Impfstoff und den Zeitpunkt ebenfalls mit der Ärztin oder dem Arzt.
Quellen
- stiko-web-app.de · Ständige Impfkommission (STIKO)
- gelbe-liste.de · empfiehlt die Grippeimpfung
- Robert Koch-Institut · keinen Zusammenhang zwischen der Impfung und Krankheitsschüben
- Robert Koch-Institut · schwächer auf Impfungen reagiert
- gelbe-liste.de · mehr als fünf Millionen Dosen
- gelbe-liste.de · bis zum 31. März 2026 zu bestellen
- tk.de · kann das Risiko, an Grippe zu erkranken, um mehr als die …
- kvhh.net · übernimmt die Kosten
- kvhh.net · Efluelda und Fluad Tetra



