Eine Angststörung unterscheidet sich von zeitweiliger Nervosität: Betroffene erleben anhaltende oder wiederkehrende Angst ohne echten Anlass, die in keinem Verhältnis zur Situation steht und den Alltag stark einschränkt. Viele meiden deshalb Orte und Situationen, in denen sie Panik oder peinliche Momente befürchten.
Die Erkrankung ist gut behandelbar. Am wirksamsten helfen eine kognitive Verhaltenstherapie, bestimmte Medikamente oder die Kombination aus beidem. Bei der Verhaltenstherapie lernen Sie, angstmachende Gedanken zu erkennen und sich gefürchteten Situationen schrittweise zu stellen. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten für eine Psychotherapie und die ärztlich verordneten Medikamente.
Wann eine Angststörung behandelt werden sollte
Angst gehört zum Leben. Sie warnt vor Gefahr und mobilisiert den Körper. Von einer Angststörung sprechen Fachleute, wenn die Angst ohne echten Anlass auftritt, zu stark ausfällt oder länger anhält und das Leben spürbar einschränkt. Häufige Formen sind die generalisierte Angststörung mit ständigem Sorgenkreisen, die Panikstörung mit wiederkehrenden Panikattacken und die Agoraphobie, also die Angst vor Orten, an denen eine Flucht schwerfällt. Bei der sozialen Phobie steht die Angst vor Bewertung durch andere im Vordergrund. Ob tatsächlich eine Angststörung vorliegt, klärt die ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung.
Viele Betroffene warten jahrelang, bis sie Hilfe suchen. Dabei gilt: Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Aussichten auf Besserung. Ein deutliches Zeichen, dass eine Behandlung sinnvoll ist, ist die Vermeidung: Wer Situationen meidet, weil er Panik oder peinliche Momente befürchtet, festigt die Störung, weil die Angst so nicht abklingen kann. Wenn die Angst den Beruf, die Familie oder den Alltag einschränkt, ist es an der Zeit, Hilfe zu suchen.
Der Weg zur Angstbehandlung
Der erste Ansprechpartner ist oft die Hausärztin oder der Hausarzt. Die Ärztin oder der Arzt erstellt eine erste Diagnose und schließt körperliche Ursachen aus. Für die Krankenkasse stellt sie oder er einen Konsiliarbericht aus, also eine ärztliche Stellungnahme. Eine Überweisung brauchen Sie nicht, um direkt Kontakt zu einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten aufzunehmen.
Seit 2017 ist ein Erstgespräch Pflicht, bevor eine Psychotherapie beginnen kann: die psychotherapeutische Sprechstunde. In diesem Erstgespräch klären Sie, ob eine Psychotherapie sinnvoll ist und welches Verfahren infrage kommt. Erwachsene haben pro Krankheitsfall Anspruch auf sechs solcher Sitzungen von je 25 Minuten. Die Terminservicestelle unter 116117 vermittelt innerhalb von vier Wochen einen Termin zur psychotherapeutischen Sprechstunde. Wer schneller Unterstützung braucht, kann eine Akutbehandlung beginnen: 24 Behandlungseinheiten zu je 25 Minuten, deren Beginn nur bei der Krankenkasse angezeigt werden muss.
Was die Verhaltenstherapie leistet
Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist bei der generalisierten Angststörung die am besten untersuchte und gilt als die wirksamste Behandlungsform. Sie lernen in der Therapie, angstauslösende Gedanken zu erkennen und zu überprüfen, und nähern sich gefürchteten Situationen schrittweise an, statt sie dauerhaft zu meiden. Die Sitzungen finden in der Regel wöchentlich über mehrere Wochen oder Monate statt und dauern jeweils rund eine Stunde. Je nach Einrichtung erstreckt sich eine Therapie bei Angststörungen über zehn bis zwanzig Wochen, mitunter mit zwei Sitzungen pro Woche.
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Richtlinienverfahren: Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, analytische Psychotherapie und seit 2019 auch Systemische Therapie. Eine Verhaltenstherapie beginnt meist mit einer Kurzzeittherapie von zwölf Sitzungen zu je 50 Minuten, die um weitere zwölf Sitzungen verlängert werden kann. Daran kann sich eine Langzeittherapie mit bis zu 80 Sitzungen anschließen.
Welche Medikamente helfen
Wenn eine Psychotherapie allein nicht ausreicht oder die Beschwerden sehr stark sind, kommen Medikamente infrage. Für die generalisierte Angststörung sind Escitalopram und Paroxetin aus der Gruppe der SSRI gut untersucht und in Deutschland zugelassen. SSRI, also selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, erhöhen die Konzentration des Botenstoffs Serotonin im Gehirn und wirken angstlösend. Es dauert in der Regel zwei bis sechs Wochen, bis sie ihre angstlösende Wirkung entfalten; am Anfang kann die Unruhe vorübergehend zunehmen, bevor sich die Angst bessert. Fachleute empfehlen, das Medikament nach eingetretener Besserung sechs bis zwölf Monate weiterzunehmen und die Dosis dann langsam zu verringern. Antidepressiva machen nicht abhängig. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Übelkeit, Schlaflosigkeit und sexuelle Probleme.
Weitere Wirkstoffe, die bei einer generalisierten Angststörung zum Einsatz kommen, sind die SNRI Duloxetin und Venlafaxin (eine zweite Gruppe von Antidepressiva) sowie Pregabalin, Opipramol, Buspiron und Hydroxyzin. Pregabalin löst häufig Schwindel und Müdigkeit aus. Buspiron kann Benommenheit, Übelkeit und Schlaflosigkeit verursachen. Bei Schwangerschaft, Kinderwunsch oder weiteren schweren Erkrankungen gehört die Entscheidung für oder gegen ein Medikament ins ärztliche Gespräch.
Je nach Form der Angststörung kommen unterschiedliche Mittel infrage: Bei Panikstörung und Agoraphobie sind die SSRI Citalopram, Escitalopram, Paroxetin oder Sertralin sowie das SNRI Venlafaxin gut untersucht, bei sozialer Phobie Escitalopram, Paroxetin oder Sertralin.
Anders als Benzodiazepine macht Buspiron nicht abhängig; seine Wirkung setzt aber manchmal erst nach mehreren Wochen ein. Benzodiazepine, starke Beruhigungsmittel, wirken schnell, manchmal innerhalb einer Stunde, können aber schon nach wenigen Wochen abhängig machen. Für die Dauertherapie sind sie deshalb ungeeignet. Bei sehr starker Angst kommen sie höchstens kurzfristig infrage. Medikamente gegen Angst sollten Sie nicht eigenständig absetzen oder die Dosis eigenmächtig ändern. Da ein abruptes Absetzen schwerwiegende Symptome auslösen kann, besprechen Sie jede Veränderung mit der verschreibenden Ärztin oder dem Arzt.
Ob eine Psychotherapie, ein Medikament oder beides zusammen am besten hilft, hängt von der Schwere der Erkrankung, Ihren persönlichen Wünschen und weiteren Erkrankungen ab. Die überzeugendsten Wirksamkeitsnachweise gibt es für die Verhaltenstherapie, für Medikamente und für die Kombination aus beidem.
Selbsthilfe gegen Angst
Stellen Sie sich angstauslösenden Situationen Schritt für Schritt, am besten begleitet von einer Therapie. Je häufiger Sie sich solchen Situationen aussetzen, desto eher kann die Angst abklingen. Angehörige unterstützen Betroffene am besten, wenn sie diese ermutigen, angstauslösende Situationen aufzusuchen, statt ihnen Aufgaben abzunehmen.
Internetbasierte Angebote, die sich an der kognitiven Verhaltenstherapie orientieren, helfen Erwachsenen mit generalisierter Angststörung nach Studienlage kurzfristig, etwa zwei bis drei Monate lang. Ob sie langfristig so wirksam sind wie eine persönliche Therapie, ist nicht belegt.
Quellen
- IQWiG / Gesundheitsinformation.de · gut behandelbar
- neurologen-und-psychiater-im-netz.org · Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Aussichten auf …
- stiftung-gesundheitswissen.de · festigt die Störung
- einguterplan.de · Eine Überweisung brauchen Sie nicht, um direkt Kontakt zu einer Psychotherapeutin …
- kbv.de · psychotherapeutische Sprechstunde
- st-augustinus-kliniken.de · Je nach Einrichtung erstreckt sich eine Therapie bei Angststörungen über zehn …
- therapie.de · am Anfang kann die Unruhe vorübergehend zunehmen
- msdmanuals.com · Anders als Benzodiazepine macht Buspiron nicht abhängig
- xn--ngste-fra.info · Schwere der Erkrankung, Ihren persönlichen Wünschen und weiteren Erkrankungen



