Nach einer Erkältung, Grippe oder einem anderen Infekt sollten Sie erst wieder trainieren, wenn die Beschwerden vollständig abgeklungen sind. Dann beginnen Sie mit deutlich reduzierter Belastung. Zu frühes Training kann eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) auslösen. Diese kann zu Herzrhythmusstörungen führen. Entscheidend sind die Symptome, die Dauer der Pause und die Intensität beim Wiedereinstieg.
Warum Sport bei Infekt riskant ist
Während einer Infektion arbeitet das Immunsystem auf Hochtouren, um die Erreger zu bekämpfen. Sport setzt den Körper zusätzlich unter Stress. Das Ordensklinikum Linz warnt: Ein zu früher Trainingsbeginn kann die Erkrankung verlängern, die Beschwerden über Wochen hinziehen und im schlimmsten Fall Organschäden an Herz und Lunge verursachen. Bei einer Grippe ist der Herzmuskel in etwa zehn Prozent der Fälle mitbeteiligt. Trainiert man dann zu früh, drohen Herzrhythmusstörungen oder eine chronische Herzschwäche.
Die Techniker Krankenkasse rät laut Internisten im Netz, bei jeder Art von Viruserkrankung auf Sport zu verzichten, auch wenn sie sich gerade erst anbahnt. Kommt eine Herzmuskelentzündung hinzu, kann sportliche Aktivität zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen.
Bei diesen Symptomen ist Sport tabu
Fieber, Husten, Halsschmerzen, Gliederschmerzen, ausgeprägte Erschöpfung und ein allgemeines Krankheitsgefühl sind klare Zeichen, den Sport ruhen zu lassen. Die mhplus Krankenkasse nennt diese Beschwerden als absolute Sport-Tabus. Bei einem leichten Schnupfen ohne weitere Beschwerden sind dagegen entspannte Spaziergänge, leichte Dehnübungen oder sanftes Yoga in Ordnung.
Der Return-to-Sport-Leitfaden der Universität des Saarlandes ergänzt harte Grenzwerte: Fieber über 38 Grad Celsius, ein Ruhepuls, der mehr als zehn Schläge pro Minute über dem Normalwert liegt, Gliederschmerzen und geschwollene Lymphknoten (die kleinen Filterstationen des Immunsystems, etwa am Hals). Die Deutsche Herzstiftung rät strenger: Bereits bei Halsschmerzen, Schnupfen oder Husten sollte das Training pausieren. Im Zweifel warten Sie besser einen weiteren Tag.
Wie lange die Sportpause dauert
Die Dauer der Pause hängt von der Schwere der Erkrankung ab. Nach einem gewöhnlichen grippalen Infekt, also einer Erkältung, liegt sie laut Deutscher Herzstiftung meist zwischen sieben und 14 Tagen. Nach einer Grippe sollten mindestens 14 Tage vergehen. Das Ordensklinikum Linz empfiehlt bei Halsschmerzen und Husten, drei bis sieben Tage nach Abklingen der Symptome zu warten. Bei fieberhaften Infekten sind es mindestens eine Woche. Nach Grippe oder Lungenentzündung sind es je nach Schwere zehn Tage bis vier Wochen.
Nach einem milden Infekt der oberen Atemwege ohne Fieber und Gliederschmerzen genügen laut Return-to-Sport-Leitfaden der Universität des Saarlandes zwei bis drei Tage Symptomfreiheit, bevor das Training wieder aufgenommen wird. Die Spannen unterscheiden sich, weil die Empfehlungen verschiedene Erkrankungen und Schweregrade berücksichtigen. Wichtiger als der Kalendertag ist, dass Sie sich vollständig erholt fühlen. Wer sich nach dem Abklingen noch matt oder energielos fühlt, sollte mit dem Sport weiter warten.
So gelingt der Wiedereinstieg
Der Wiedereinstieg sollte langsam erfolgen. Die mhplus Krankenkasse rät, mit reduzierter Intensität zu beginnen, den Puls deutlich unter der üblichen Belastung zu halten und die Belastung über ein bis zwei Wochen langsam zu steigern. Als Faustregel gilt: Während des Trainings sollten Sie sich noch gut unterhalten können. Beginnen Sie mit einer kurzen, ruhigen Einheit, etwa einem Spaziergang oder einer lockeren Runde auf dem Heimtrainer. Steigern Sie Dauer und Intensität von Woche zu Woche. Bei Schwangerschaft, Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme besprechen Sie den Wiedereinstieg am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wann Sie ärztlichen Rat brauchen
Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn die Beschwerden nach einer Woche nicht besser werden, das Fieber mehrere Tage anhält oder Atemnot, starke Brustschmerzen und eine ungewöhnlich anhaltende Erschöpfung auftreten. Die mhplus Krankenkasse nennt diese Kriterien. Die Deutsche Herzstiftung weist zusätzlich auf mögliche Anzeichen einer Herzbeteiligung nach einem Infekt hin: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kurzatmigkeit, ein Engegefühl in der Brust, Schmerzen hinter dem Brustbein und Herzstolpern. Bei diesen Beschwerden sollten Sie abklären lassen, ob das Herz beteiligt ist.



