Einsamkeit entsteht, wenn die eigenen sozialen Kontakte nicht zu den eigenen Bedürfnissen passen: Man wünscht sich mehr Nähe, Gespräche oder Zugehörigkeit, als man erlebt. Betroffen sind nicht nur ältere Menschen, sondern auch viele junge Erwachsene in Deutschland. Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen anhaltender Einsamkeit und Gesundheitsrisiken.

Soziale Isolation dagegen ist ein objektiver Mangel an Kontakten. Wer allein lebt, muss sich nicht einsam fühlen, und wer von Menschen umgeben ist, kann es trotzdem. Beide können gemeinsam auftreten, lassen sich aber unterscheiden. Wer den Unterschied kennt, kann besser einordnen, wann Unterstützung sinnvoll ist.

Was Einsamkeit von sozialer Isolation unterscheidet

Das Robert Koch-Institut beschreibt Einsamkeit als das subjektive Gefühl, dass zwischen den eigenen sozialen Bedürfnissen und den tatsächlichen Beziehungen eine Lücke besteht. Entscheidend ist das Wort subjektiv: Einsamkeit entsteht im Erleben, nicht in der Zahl der Kontakte. Jemand, der allein lebt und nur wenige Menschen trifft, kann sich zufrieden und verbunden fühlen. Jemand anderes kann täglich von Kollegen und Bekannten umgeben sein und sich trotzdem einsam fühlen, weil die Beziehungen oberflächlich bleiben oder wichtige Gespräche fehlen.

Soziale Isolation meint dagegen den messbaren Zustand: Eine Person hat tatsächlich wenige oder keine regelmäßigen Kontakte, etwa weil sie allein lebt, nicht mehr arbeitet oder durch Krankheit an das Haus gebunden ist. Einsamkeit und soziale Isolation können gemeinsam auftreten, müssen es aber nicht. Für die Gesundheit ist die Unterscheidung trotzdem wichtig, weil die Forschung beiden eigene Risiken zuordnet.

Wie viele Menschen einsam sind

Einsamkeit ist in Deutschland keine Randerscheinung. Laut Deutschem Alterssurvey, einer repräsentativen Befragung von Menschen ab 50 Jahren aus den Jahren 2020 und 2021, sind 8,3 Prozent der Menschen ab 50 Jahren einsam. Altersgruppe, Geschlecht und Bildung machten dabei keinen Unterschied. Für ältere Menschen in Privathaushalten gibt es keine Hinweise darauf, dass sie stärker von Einsamkeit betroffen sind als Menschen im mittleren Alter. Höhere Einsamkeitsrisiken zeigen Daten von Bewohnerinnen und Bewohnern der Pflegeheime.

Jeder fünfte Mensch in Deutschland ist älter als 65 Jahre, 6 von 100 haben das 80. Lebensjahr überschritten. Das Robert Koch-Institut hat in der Studie „Gesundheit 65+“ von Frühjahr 2021 bis Frühjahr 2023 Menschen ab 65 Jahren zu ihrer Gesundheit befragt. Rund 19 Prozent der über 65-Jährigen gaben an, sich einsam zu fühlen, wünschten sich also mehr soziale Kontakte, als sie tatsächlich haben. Bei Frauen lag der Anteil bei 22 Prozent, bei Männern bei 15 Prozent. Von den Frauen ab 80 Jahren berichteten 29 Prozent von Einsamkeit. Die Zahlen beider Studien sind nicht direkt vergleichbar, weil sie unterschiedliche Altersgruppen und Messverfahren verwenden.

Auch junge Erwachsene sind betroffen. In einer repräsentativen Befragung der Bertelsmann Stiftung unter jungen Menschen gab knapp die Hälfte an, sich einsam zu fühlen. 35 Prozent beschrieben ihre Einsamkeit als moderat, zehn Prozent als stark.

Gesundheitsfolgen von Einsamkeit

Anhaltende Einsamkeit und soziale Isolation sind mit ernsten Gesundheitsrisiken verbunden, vor allem bei älteren Menschen. Eine schwedische Studie fand, dass sowohl Einsamkeit als auch soziale Isolation mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden waren. Je ausgeprägter die soziale Isolation, desto höher das Risiko. Für die Sterblichkeit hatte die soziale Isolation einen größeren Einfluss als das Gefühl der Einsamkeit.

Auch das Demenzrisiko hängt mit sozialer Isolation zusammen. In einer chinesischen Studie erkrankten sozial isoliert lebende Menschen 1,26-mal häufiger an einer Demenz, unabhängig von anderen Risikofaktoren. Soziale Isolation kann demnach ein frühes Warnzeichen sein. Besonders betroffen sind Gehirnregionen, die für Gedächtnis und Lernen zuständig sind. Der Einfluss von Einsamkeit auf das Demenzrisiko könnte zu 75 Prozent über begleitende Symptome einer Depression erklärbar sein.

Einsamkeit und soziale Isolation erhöhen das Risiko eines vorzeitigen Todes durch zerebrovaskuläre Erkrankungen, also Erkrankungen der Blutgefäße im Gehirn. Extreme soziale Isolation kann eine dysfunktionale Stressreaktion auslösen, das heißt, die Stressregulation gerät aus dem Gleichgewicht.

Einsamkeit wirkt sich auch auf das Denken aus. Eine Übersichtsarbeit zu den neuropsychologischen Folgen von Einsamkeit berichtet, dass Einsamkeit finanzielle Entscheidungen erschwert, weil die allgemeine Denkleistung und vor allem das Arbeitsgedächtnis darunter leiden. Das Arbeitsgedächtnis ist die Fähigkeit, Informationen kurz zu behalten und zu verarbeiten. Je höher die Einsamkeitswerte, desto eher vermieden die Befragten in Gewinn-Szenarien Risiken.

Wichtig zur Einordnung: Diese Studien zeigen Zusammenhänge, sie belegen keine direkte Ursache-Wirkung. Ob Einsamkeit die Erkrankungen selbst verursacht oder ob begleitende Faktoren wie Depression eine zentrale Rolle spielen, ist nicht abschließend geklärt.

Was gegen Einsamkeit hilft

Eine einfache, für alle wirksame Lösung gegen Einsamkeit gibt es nicht, und die Forschung dazu läuft noch. Das Kompetenznetz Einsamkeit, ein Forschungsnetzwerk, untersucht, wie Einsamkeit wirksam vorgebeugt und betroffenen Menschen konkret geholfen werden kann. Das zugehörige Einsamkeitsbarometer beobachtet die Entwicklung von Einsamkeit in der Bevölkerung. In vertiefenden Analysen widmet es sich einzelnen Gruppen, etwa 2025 lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans*, intergeschlechtlichen und queeren Menschen und 2026 Menschen mit Behinderungen. Hilfsangebote sollten die unterschiedliche Betroffenheit der Gruppen berücksichtigen.

Die Politik hat das Thema aufgegriffen. Bundesfamilienministerin Lisa Paus fordert mehr Anstrengungen gegen Einsamkeit unter jungen Menschen. Die Bundesregierung hat eine Strategie gegen Einsamkeit vorgelegt und betont dabei unter anderem die Sensibilisierung des Gesundheitswesens. Die Bundespsychotherapeutenkammer begrüßt diesen Schritt, denn Einsamkeit kann ein Faktor sein, der zu psychischen Erkrankungen führt.

Was können Sie selbst tun, wenn Sie sich einsam fühlen? Ein erster Schritt ist, das Gefühl ernst zu nehmen und zu benennen. Weil Einsamkeit aus der Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit entsteht, lohnt es sich, auf die eigenen Bedürfnisse zu schauen: Welche Kontakte fehlen, und welche kleinen Schritte sind realistisch? Regelmäßige Anrufe, ein gemeinsamer Spaziergang oder ein Ehrenamt können erste Ansätze sein. Hält das Gefühl an oder kommen Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit oder Schlafprobleme dazu, ist ein Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt sinnvoll. In einer akuten Krise, etwa bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen, ist der Notruf die richtige Wahl; bei dringenden, nicht lebensbedrohlichen Beschwerden außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst.

Quellen

  1. gbe.rki.de · Robert Koch-Institut
  2. Robert Koch-Institut · Jeder fünfte Mensch
  3. google.com · Rund 19 Prozent der über 65-Jährigen
  4. aerzteblatt.de · repräsentativen Befragung der Bertelsmann Stiftung
  5. google.com · schwedische Studie
  6. google.com · zerebrovaskuläre Erkrankungen
  7. google.com · Kompetenznetz Einsamkeit

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