Wenn ein Mensch in Ihrer Nähe an einer Depression erkrankt, sind Sie als Partner, Kind, Elternteil oder Freund direkt mitbetroffen. Depression ist eine ernsthafte, aber gut behandelbare Erkrankung. Sie äußert sich in anhaltender Niedergeschlagenheit, Interessenverlust und Antriebslosigkeit und verändert den Alltag der ganzen Familie.

Als Angehöriger können Sie den Weg zur Behandlung begleiten, im Alltag Halt geben und in einer Krise richtig handeln. Die Behandlung übernehmen Ärzte und Psychotherapeuten; Sie begleiten den erkrankten Menschen und achten auf sich selbst.

So äußert sich eine Depression

Depression ist eine ernsthafte Erkrankung mit sehr guten Heilungschancen, wenn sie medizinisch behandelt wird. Sie zeigt sich in anhaltender Niedergeschlagenheit, Verlust von Freude und Interesse, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen und Schuldgefühlen. Je besser Sie die Erkrankung und ihre Symptome verstehen, desto leichter fällt der Umgang mit dem betroffenen Menschen.

Rückzug, Gereiztheit oder Ablehnung gehören häufig zur depressiven Phase und richten sich nicht gegen Sie persönlich. Wer die Symptome als Krankheitszeichen einordnet, reagiert im Alltag gelassener, wenn der erkrankte Mensch zeitweise nicht ansprechbar ist.

Das erste Gespräch behutsam führen

Wenn Sie den Verdacht haben, dass ein nahestehender Mensch an einer Depression leidet, sprechen Sie ihn behutsam an. Beschreiben Sie ruhig und konkret, welche Veränderungen Ihnen aufgefallen sind, und fragen Sie, was Sie gemeinsam tun können.

Vermeiden Sie Sätze wie „Reiß dich zusammen" oder den gut gemeinten Vorschlag, im Urlaub abzuschalten. Solche Ratschläge setzen unter Druck, verstärken Schuldgefühle und vergrößern Ängste. Bieten Sie stattdessen an zuzuhören, ohne sofort Ratschläge zu geben oder Vorwürfe zu machen.

Im Alltag Halt geben

Ein geregelter Tagesablauf und das Einhalten wichtiger Termine, besonders von Therapiesitzungen, geben depressiven Menschen Struktur. Begleiten Sie die erkrankte Person auf Wunsch zu Arztterminen. Erinnern Sie behutsam an die Einnahme von Medikamenten und bestärken Sie sie in eigener Initiative.

Gemeinsame Bewegung an der frischen Luft, etwa ein zügiger Spaziergang, kann die Stimmung heben. Übernehmen Sie Aufgaben im Haushalt, aber nicht alles; eigene Aktivität gibt dem erkrankten Menschen ein Stück Kontrolle über den Tag zurück. Verschieben Sie folgenreiche Entscheidungen wie eine Trennung, bis die Behandlung wirkt.

Zur Behandlung ermutigen

Wenn eine depressive Verstimmung länger als zwei Wochen anhält, ist der Hausarzt die erste Anlaufstelle. Depressive Erkrankungen sind heute gut behandelbar; ermutigen Sie die betroffene Person, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Behandlung besteht aus zwei Säulen: Psychotherapie und Medikamente. Eine akute Depression wird in der Regel sechs bis zwölf Wochen behandelt.

Antidepressiva machen nicht abhängig. Sie wirken meist innerhalb der ersten zwei Wochen. Wenn nach vier Wochen keine deutliche Besserung spürbar ist, sollte die Ärztin oder der Arzt prüfen, ob die Dosis angepasst, der Wirkstoff gewechselt oder ein zusätzliches Medikament sinnvoll ist. Medikamente sollten Betroffene nicht eigenmächtig absetzen oder in der Dosis verändern. Ein zu frühes Absetzen kann zu einem Rückfall führen.

Viele Kliniken und Praxen binden Angehörige über Psychoedukation ein. Das sind strukturierte Informationen zur Erkrankung. Sie vertiefen das Verständnis und ergänzen die Behandlung.

Suizidgedanken ernst nehmen

Nehmen Sie Warnzeichen ernst: zunehmender Rückzug, eine ruhige Stimmung nach vorangegangenem Rückzug, das Verschenken von Besitz und Verabschiedungen von Freunden und Angehörigen.

Sprechen Sie das Thema Suizid direkt und sachlich an. Die Sorge, einen Menschen erst auf den Gedanken zu bringen, ist unbegründet.

Wenn die betroffene Person konkrete Suizidgedanken äußert, rufen Sie den Rettungsdienst unter 112 oder eine Ärztin oder einen Arzt.

In einer akuten Krise erreichen Sie die Telefonseelsorge rund um die Uhr kostenlos unter 0800 1110111 und 0800 1110222. Bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden außerhalb der Sprechzeiten ist der ärztliche Bereitschaftsdienst erreichbar. Das Info-Telefon Depression (0800 3344533) informiert Betroffene und Angehörige kostenfrei über Erkrankung, Behandlung und Hilfsmöglichkeiten.

Auch auf sich selbst achten

Wer Tag für Tag miterlebt, wie ein nahestehender Mensch in ein tiefes seelisches Loch fällt, gerät selbst in Gefahr, schwermütig zu werden. Sie haben ein Recht auf ein eigenes Leben und auf Erholung. Wenn Sie sich dauerhaft aufreiben, können Sie langfristig niemandem helfen.

Selbsthilfegruppen für Angehörige sind eine wertvolle Stütze. Einen guten Startpunkt für die Suche in Ihrer Nähe bietet nakos.de. Auch das SeeleFon des Bundesverbands der Angehörigen psychisch Kranker berät telefonisch zu psychischen Erkrankungen.

Die AOK bietet mit dem „Familiencoach Depression" ein Online-Programm. Es hilft Angehörigen, gut auf sich selbst zu achten und den Alltag mit der neuen Situation zu bewältigen. Zugleich stärkt es die Beziehung zur erkrankten Person.

Auch Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelrelaxation oder Autogenes Training können helfen, eigene Anspannung abzubauen. Für pflegende Angehörige älterer Menschen gibt es zudem eine kostenlose Online-Schulung zur Altersdepression.

Quellen

  1. jnjwithme.de · direkt mitbetroffen
  2. aok.de · gut behandelbare Erkrankung
  3. privatklinik-merbeck.de · sehr guten Heilungschancen
  4. google.com · Solche Ratschläge setzen unter Druck
  5. vincera-kliniken.de · Psychoedukation
  6. google.com · Info-Telefon Depression
  7. google.com · Selbsthilfegruppen für Angehörige
  8. alter-pflege-demenz-nrw.de · Online-Schulung zur Altersdepression

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